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Das besondere Autoreninterview: Prof. Dr. Hans-Joachim Jarchow
 

Interview mit Prof. Dr. Hans-Joachim Jarchow
Eine runde Sache: Von Karl May bis Dustin Hoffman

Nicht nur das Rad, sondern das gesamte Berufsleben unseres Autors ist eine runde Sache. Von Kriegswirren und der Nachkriegszeit geprägt, verschieb sich Hans-Joachim Jarchow der Ökonomik und dem Euro. In diesem Interview erfahren Sie ganz persönliche Dinge und haben Einblicke in die private Seite eines Mannes, in dessen Leben Italien eine wichtige Rolle spielt.



Professor em. Dr. Hans-Joachim Jarchow wurde 1935 in Oldenburg/H. geboren. Er studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in Hamburg und Kiel (Diplom-Volkswirt, Kiel 1959; Dr. sc. pol., Kiel 1961). Danach wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei E. Schneider, zunächst als Assistent, dann als Oberassistent am Institut für Weltwirtschaft (Habilitation, Kiel 1966). 1967 übernimmt er einen volkswirtschaftlichen Lehrstuhl in Göttingen und wurde 2003 emeritiert.

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Jarchows
Link-Tipps
Karl May
Göttinger 7
D. Barenboim

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

An Kindheits-Berufswünsche (wie Lokomotivführer oder Förster) kann ich mich nicht erinnern. Als ich im Gymnasium mit der Chemie in Berührung kam, entstand bei mir der Wunsch, mich später in diesem Bereich beruflich zu betätigen.

Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Meine Lieblingsfächer waren Chemie und Mathematik.

Wer ist der Held Ihrer Kindheit?

Als Kind identifizierte ich mich gerne mit Old Shatterhand (Karl May) und Dietrich von Bern (Nibelungenlied).

Was war Ihr Lieblingsbuch in der Jugend?

Bis etwa in das Alter von Fünfzehn verschlang ich die Bücher von Karl May. Besonders gern las ich den „Der Schatz im Silbersee“, später wurden die „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig mein Lieblingsbuch.

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Besonders gerne esse ich das italienische Fettini (in Form von mit Salbei und Knoblauch geschichteten dünnen Rindfleichscheiben in Olivenöl).

Welches einschneidende Ereignis hat Sie am meisten beeinflusst?

Der Krieg, seine Folgen und die Entbehrungen in der Nachkriegszeit haben mich – wie viele meiner Altersgenossen - in persönlicher Hinsicht, vor allem in Kindheit und Jugend, aber auch danach besonders geprägt. Die entscheidende berufliche Weichenstellung erfolgte, als Erich Schneider (ein damals sehr bekannter Nationalökonom) mich als Doktoranden annahm.

Wo ist der schönste Ort, den Sie besucht haben?

Venedig mit und seiner einzigartigen Lage und seinem morbiden Charme faszinieren mich immer wieder.

Was würden Sie mit einem Sabbatical-Jahr anfangen?

Der Emeritus-Status ist eine Art „Dauer-Sabbatical“. Er eröffnet einem Emeritus wie mir zusätzliche Freiräume für kulturelle Unternehmungen und Reiseaktivitäten. Fachlich befasse ich mich derzeit mit Problemen der internationalen Finanzkrise und der Staatsschuldenkrise im Euroraum.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Unzuverlässigkeit ärgert mich.

Was ist es, das Sie antreibt?

Neugier, Interesse und wohl auch Ehrgeiz treiben mich an.

Haben Sie ein Motto?

Geht nicht, gibt’s nicht.

Wer ist Ihr größtes Vorbild?

Als Hochschullehrer und Wissenschaftler ist der (1970 verstorbene) Kieler Ökonom Erich Schneider, bei dem ich viele Jahre Assistent bzw. Oberassistent war, mein größtes Vorbild. Er prägte die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre in der Bundesrepublik in den Nachkriegsjahren bis in die siebziger Jahre maßgeblich.

Haben Sie einen Lieblingsschauspieler?

Dustin Hoffman schätze ich besonders.

Wer wäre Ihrer Meinung nach ein würdiger Friedensnobelpreisträger?

Daniel Barenboim, GMD der Staatsoper unter den Linden, wäre wegen seiner intensiven, mutigen Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern, nicht zuletzt durch Gründung des West-Eastern Divan Orchestra, m. E. ein würdiger Nobelpreisträger.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Erfindung der Menschheit?

Das Rad ist einer der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Erfindung der Menschheit.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück bedeutet für mich in erster Linie private und berufliche Zufriedenheit.

Sind Sie Mitglied in einem Verein?

Beruflich bin ich Mitglied in der American Economic Association, im Verein für Socialpolitik (speziell: Ausschuss für Geldtheorie und –politik) und dem Hochschullehrerverband, privat seit langem Mitglied in einem Tennisclub.

Was schätzen Sie an Ihrer Hochschule am meisten?

Mich beeindruckt insbesondere ihre Geschichte und Tradition. Genauer: Der mutige Protest der „Göttinger Sieben“ gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover mit der Folge ihrer Entlassung und die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen der Mathematiker (von Gauß bis Riemann, Klein, Courant und Hilbert) sowie das sog. Göttinger Nobelpreiswunder (u. a. mit M. Planck, M. Born, O. Hahn, W. Heisenberg und den noch in Göttingen tätigen Nobelpreisträgern M. Eigen und E. Neher).

Was haben Sie als nächstes vor?

Fachlich beschäftigt mich weiter die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum.